ÖGB/ARGE-FGV: Digitalisierung verändert den Gesundheitsbereich

Viele Chancen und eine Menge Problemstellungen warten auf Antworten

„Menschen wollen von Menschen betreut werden und menschliche Moral und Empathie wird niemals vollständig durch die Technik ersetzt werden können“, brachte Josef Zellhofer, Vorsitzender der ÖGB/ARGE-FGV (Fachgruppenvereinigung für Gesundheits- und Sozialberufe), bei der Podiumsdiskussion „Digitalisierung: Auswirkungen auf die Gesundheitsberufe“ in der ÖGB Zentral Catamaran auf den Punkt.

„Wir wollen die Digitalisierung mitgestalten“, gab ÖGB-Präsident Erich Foglar in seiner Begrüßung gleich das Ziel der Gewerkschaften vor. Daher werde sich auch der ÖGB-Bundeskongress im Juni intensiv mit dem Thema Digitalisierung befassen. „Bisher wurde dieses Thema vor allem mit der Automatisierung in der Industrie oder dem Finanzbereich verbunden. Jetzt geht es auch um die medizinische Entwicklung sowie den Bereich der Gesundheits- und Sozialbetreuungsberufe.“ Dabei gehe es nun um die gesallschaftspolitische Herausforderung „wie schützen wir die Menschen beispielsweise vor Datenmissbrauch ohne den Menschen Angst zu machen“, so der ÖGB-Präsident. Gleichzeitig gehe es auch darum, wie die sogenannte Digitalisierungsdividende verteilt werden.

Eingeleitet wurde die Podiumsdiskussion durch Fachreferate. Dr. Eva Deutsch vom IBM Watson Österreich skizzierte die Möglichkeiten durch die neue Generation von IT-Systemen. „Diese werden inzwischen nicht mehr programmiert, sondern trainiert“, so Deutsch und verwies darauf, dass heute Daten in wenigen Wochen ausgewertet werden können für die es früher bis zu zehn Jahren Forschung gebraucht habe.

Dr. Wolfgang Perthold von Medtronic präsentierte die Möglichkeiten bei der Diabetestherapie. Auch hier habe es, so Perthold, eine enorme technische Entwicklung gegeben. Der Techniker Ing. Michael Schrack, ebenfalls von Medtronic, zeigte Chancen auf, wie die Betreuung von Menschen mit Herzschrittmachern technisch unterstützt werden kann.

„Im Bereich der sozialen Dienstleistungen, und damit im Gesundheitswesen, steht die Digitalisierung ganz am Anfang. Das hat eine Studie des WIFO ergeben“, stellte Mag. Caroline Krammer von der AK-Wien fest. Eine Befragung der Beschäftigten durch die AK habe auch ergeben, dass vor allem in der Pflege und Betreuung die Digitalisierung noch kaum wahrgenommen werde. Allerdingst gäbe es bei den Beschäftigten Befürchtungen in Richtung Arbeitsverdichtung, Vertaktung der Arbeit, sowie eine Verknappung der Zeit, die für die Patientinnen aufgewendet werden könne.

„Die Digitalisierung im Gesundheitswesen bietet eine Menge Chancen, allerdings wird der Faktor Mensch weiterhin im Zentrum stehen: Menschen wollen von Menschen betreut werden und menschliche Moral und Empathie wird niemals vollständig durch die Technik ersetzt werden können,“ sagt Josef Zellhofer, Vorsitzender der ÖGB/ARGE-FGV. „Darüber hinaus muss jede Maschine und jeder Algorithmus am Ende doch noch von einem Menschen, der nicht nur Wahrscheinlichkeiten berechnet, sondern über Erfahrungswerte verfügt, kontrolliert werden. Gleichzeitig ergeben sich durch die Digitalisierung eine Menge Problemstellungen, für die es zukünftig zufriedenstellende Antworten geben muss: Stichwort Datenschutz und ganz besonders Ausfallsicherheit, wie z.B. in Fällen von großflächigen Stromausfällen, um nur zwei zu nennen.“

Rückfragehinweis:

ÖGB-Kommunikation

Franz Fischill

Tel.:(01) 534 44739266

E-Mail: franz.fischill@oegb.at

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