Infos zur gestern beschlossenen Novelle des Kinderbetreuungsgesetz

in den letzten Tagen hat, man viel über das neue „Notgesetz“ zum Kinderbetreuungsgesetz gehört und gelesen. Teilweise richtiges, teilweise falsches.Hier der Entwurf des Gesetz und die Erläuterungen und Erklärungen von der gestrigen Landtagssitzung: Landtagessitzung 13.10.2020 und StAEGNovelle2020_24092020

Hier die Stellungnahme der ARGE Kinderbetreuung in der Gewerkschaft: Presseaussendung_fertig_10_20

Was sagen wir als Betriebsrat der Volkshilfe Steiermark dazu?

Der „überraschende“ dringende Personalbedarf bei den KindergartenpädagogInnen, war schon lange Vorhersehbar.

  • 70%-80% der Bafep-AbsolventInnen arbeiten anschließend nicht in den Kinderbetreuungseinrichtungen.
  • Seit Jahren kaum Verbesserungen der Rahmenbedingungen und Bezahlung von MA.
  • Laufender Ausbau bzw. laufend neue Kinderbetreuungseinrichtungen – automatisch mehr Bedarf an Fachkräften.

Die Situation hat sich durch Covid 19 insofern verändert, dass es noch mehr auffällt das Personal fehlt. Auch Schwangere dürfen bei unter 3 Jährigen Kindern nicht mehr arbeiten, da die Ansteckungsgefahr sehr hoch ist. Das war aber auch vorher schon so. Das ist aber nur ein Bruchteil des fehlenden Personals.

Seit Jahrzehnten zeigen ÖGB/AK/BR auf, wo dringender Handlungsbedarf besteht.

In der AK Studie Arbeitsbedingungen und Arbeitsbelastungen in den steirischen Kinderbetreuungseinrichtungen von 2016 zeigt ebenfalls die Situation auf und gibt Empfehlungen (Kapitel 13) für Verbesserungen ab.

Seit Jahrzehnten werden den die KollegInnen laufend neue Qualitätskriterien, laufend mehr Dokumentationsarbeiten und Verantwortungen von allen Seiten auferlegt.

Seit Jahrzehnten werden Gesetze dahin geändert, dass die Bedürfnisse der öffentlichen Hand, der Träger und der Eltern weitestgehend erfüllt werden.

Seit Jahrzehnten läuft die Diskussion der Zuständigkeiten Bund/Land/Gemeinden/Träger und wer soll das finanzieren.

Alle wollen höchste Qualität in der Kinderbildung und –betreuung – aber kosten soll es nicht´s.

Seit Jahrzehnten gibt es die Forderung nach einer verbesserten Ausbildung. Wozu, wenn die KollegInnen in dem Bereich dann eh nicht arbeiten wollen/können.

Weil fast nur Mehrteilzeitstellen angeboten werden, die Bezahlung generell gering ist und die Rahmenbedingungen sich eher verschlechtern.

Seit Jahren versuchen wir, für die KollegInnen die bei einem privaten Träger angestellt sind, dass statt dem Mindestlohntarif endlich der Sozialwirtschaft Österreich zur Anwendung gebracht wird. Von den Vertretern der Trägern/Land/Gemeinden/Bund hören wir nur: es ist kein Geld da, das Land/Gemeinde zahlt nicht, die Träger können das ja eh machen – die haben eh das Geld usw. Wir werden nur hin und her geschickt.

Wenn alle Qualitätsvolle Kinderbetreuung von allen Seiten gefordert und gewünscht wird, dann darf es keine Diskussion bezüglich Finanzierung geben.

Wenn das Geld nicht vorhanden ist, dann muss man sich dazu bekennen – dass es eine Aufbewahrung der Kinder ist.

Wir haben das Gefühl man will beste Qualität zum Billigst-Preis.

Bei all dem hin und her, bleiben die KollegInnen und die Kinder auf der Strecke.

In dem Bereich arbeiten fast ausschließlich Frauen. Frauenarbeit muss mehr wert sein!!!!

Wenn es hier nicht bald zu Verbesserungen für die Beschäftigten kommt, ist es eine Frage der Zeit, bis wir auch in dem Bereich (wie jetzt schon in der Pflege) Fachkräfte aus der ganzen Welt „importieren“.

Zur Forderung, dass die Ausbildung verbessert werden soll:

Man muss sich anschauen, warum 70%-80% der AbsolventInnen nicht in dem Bereich arbeiten.

Man fordert Verbesserungen und dann macht man das (am Dienstag den 13.10.2020) beschlossene „Notgesetz“.

Noch nie wurde eine Berufsgruppe dermaßen abgewertet indem man mehr oder weniger „qualifiziertes Personal“ in Einrichtungen arbeiten lässt, wo das größte Gut der Nation „Die zukünftige Generation unseres Landes“ betreut wird.

Es wird nur auf fehlendes Personal geschaut. Nicht aber, dass dem bestehenden Personal die entsprechenden Ressourcen gegeben werden und verhindert wird, dass Personen ausbrennen und diese Arbeit auch nicht mehr leisten können und wollen.

Die strengen Regeln und die Befristung machen es auch nicht viel besser.

Wenn argumentiert wird, dass andere Bundesländer das ja auch machen – so ist das schon richtig.

Nur warum übernimmt man schlechtere Regelungen von den anderen Bundesländern.

NICHT aber die Besseren z.B. besser Personalschlüssel in Pflegeheimen von Wien?

Die KollegInnen in der Kinderbetreuung arbeiten tagtäglich mit Herzblut und Engagement mit den Kindern und geben ihr Bestes.

Bitte lasst die KollegInnen nicht im Stich.

Daher fordern wir umgehende Gespräche mit den Sozialpartner und vor allem auch unter Einbeziehung von ExpertInnen aus der Praxis.

Wir fordern umgehend die Empfehlungen der AK Studie umzusetzen insbesonders:

– Personalförderung auf Basis eines Kollektivvertrags (und nicht mehr eines Mindestlohntarifs)

– generell bessere Entlohnung bei allen Entlohnungssystemen

– ein Recht der KollegInnen auf höhere Stundenverpflichtung

– besserer Personalschlüssel bzw. kleinere Kindergruppen

– mehr bezahlte Zeit für Dienstbesprechungen (auch für BetreuerInnen)

– bezahlte Supervisionen in der Arbeitszeit

usw.

Es muss schnell umgesetzt werden, sonst haben wir in 2 Jahren wenn das „Notgesetz“ ausläuft die gleiche Diskussion.

Lasst, die KollegInnen (überwiegend Frauen) nicht im Stich!!!

Das haben wir schriftlich an die Verantwortlichen im Land geschrieben. Wir werden alles geben, dass es rasch zu Verbesserungen kommt.

Bitte schreibt uns eure Meinung. Wir werden dies sammeln und den Verantwortlichen gerne übergeben.

Dein Betriebsratsteam

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